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Eine neue Zukunft für den alten Friedhof?
Seit mehreren Jahrzehnten veränderte sich in Ottweiler die Bestattungskultur und mit ihr einhergehend auch die Friedhofskultur. Lag im Jahr 1997 der Anteil der traditionellen Tiefengräber noch bei über 80 Prozent, sank er bis zum Jahr 2025 auf unter 20 Prozent. Begünstigt durch die Einführung der Kolumbarien in Form von Urnenstelen und -wänden sowie der Möglichkeit von Baumbestattungen ab dem Jahre 2012 stieg der Anteil der Urnenbestattungen auf rund 70 Prozent. Dieser Wandel bei den Bestattungsformen hat sich dermaßen manifestiert, dass traditionelle Tiefen- oder Rasengräber immer seltener nachgefragt werden.
Dagegen expandiert der Bereich der Urnenbestattungen kontinuierlich. Während dem steigenden Bedarf an Urnenbeisetzungen durch Erweiterungen der Kolumbarien begegnet wird, bietet sich bei den Baumbestattungen, bei denen die Beisetzung in Urnen aus leicht verrottbarem Material zwingend vorgeschrieben ist, ein unbefriedigendes Bild. Dafür wurde auf dem kommunalen Friedhof Seminarstraße der hintere Bereich des Geländes bestimmt. Die bisherige Praxis zeigte aber, dass das abschüssige Gelände für würdevolle Baumbestattungen ungeeignet ist.
Eine Chance für den alten Friedhof!
Ein ganz anderes Bild bietet hingegen der alte Friedhof Neumünster. Dort findet sich eine große Anzahl teils sehr alter Bäume in einer würdevoll gepflegten, parkähnlichen Anlage, die für Baumbestattungen bestens geeignet ist.
Alte Bäume auf dem alten Friedhof Neumünster (Bild: Hans Werner Büchel)
Während der Vorbereitung und Durchführung von öffentlichen Friedhofsführungen aus Anlass des Tags des offenen Denkmals 2025 kam der Gedanke auf, der Ottweiler Stadtverwaltung den Friedhof als Ort für Baumbestattungen vorzuschlagen. Bei den Besuchern der Veranstaltungen stieß der Vorschlag auf offene Ohren und eine überaus positive Resonanz. Einhellige Meinung war, dass der Friedhof Neumünster im Gegensatz zu dem Zustand auf dem Seminarfriedhof vor allem ein deutlich würdigerer Ort für Baumbestattungen wäre. Der Vorschlag soll nun konkretisiert werden und der Stadtverwaltung zur Beratung im Stadtrat und dem zuständigen Ausschuss vorgelegt werden. Das Gelände des Friedhofs ist im Besitz der katholischen Kirchengemeinde und seit dem 1. Januar 1973 an die Stadt Ottweiler verpachtet. Der Friedhof ist seit dem 4. November 1981 offiziell stillgelegt. Mit der Stilllegung war jedoch keine Entwidmung des Friedhofs verbunden, weshalb er als würdige Ruhestätte erhalten blieb.
Im Jahr 2025 wurde für den alten katholischen Friedhof Neumünster das Denkmalschutzverfahren eingeleitet. Der für die Inventarisation beim Landesdenkmalamt verantwortliche Mitarbeiter Dr. Rainer Knauf teilte dem Bürgermeister der Stadt Ottweiler und dem Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Ottweiler Heiliger Geist mit, dass der Alte katholische Friedhof Neumünster als Einzeldenkmal erkannt wurde und das Anhörungsverfahren, das der Eintragung in die Saarländische Denkmalliste vorangeht, vorbereitet werde. Er wies darauf hin, dass der Denkmalschutz bereits jetzt bestehe und beabsichtigte Maßnahmen mit dem Landesdenkmalamt abzustimmen seien. Gute Chancen also für den alten Friedhof.
Ein würdevoller Ort für Baumbestattungen (Bild: Hans Werner Büchel)