Die Umsetzung des Projekts Stolpersteine in Ottweiler

1. Verlegeaktion am 21. Februar 2014

"In Gedenken an die Schicksale jüdischer Familien, politisch Verfolgter und Euthanasieopfer aus Ottweiler wurde das Projekt "Stolpersteine" auf den Weg gebracht. Mit diesen Gedenksteinen soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert oder in den Suizid getrieben wurden." Mit diesen Worten hatte Bürgermeister Holger Schäfer zur Verlegung der ersten zehn Stolpersteine in unserer Stadt eingeladen. Und erfreulich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger waren dieser Einladung gefolgt. Dass das Gedenken an die jüdische Geschichte Ottweilers nicht allein eine Angelegenheit der alten Generation ist, bewies die Anwesenheit vieler junger Menschen, darunter Schülerinnen und Schüler vom Ottweiler Gymnasium, die sich aktiv in die Gestaltung der Veranstaltung einbrachten.

Gedenken vor dem Landratsamt: Erika Hügel (†), die Vertreterin der Synagogengemeinde Saar, zwei Schüler des Gymnasiums und Bürgermeister Holger Schäfer; im Hintergrund Pater Otto  Kutka (†) und Diakon Peter Munkes. (Bild: Hans Werner Büchel)

Das Gedenken an diesem Freitag begann vor dem Haus Gäßling 42, in dem die Familie Barth, die Eltern Heinrich und Emma mit ihren Söhnen Friedrich und Max wohnte. Während den Söhnen die Emigration in die USA gelang, wurden Heinrich und Emma Barth im Zuge der Aktion Bürkel 1940 zunächst nach Gurs deportiert und 1942 im KZ Auschwitz ermordet. Vier Stolpersteine erinnern nun an den letzten frei gewählten Wohnsitz der Familie Barth.

Zweite Station war das Anwesen Wilhelm-Heinrich-Straße 12, in dem die Familie Cahn, die Eltern Alfred und Gertrud mit ihren Töchtern Edith und Marianne lebte. Die Töchter verließen ihre Heimatstadt Ottweiler wegen ihrer Ausbildung nach Hamburg, wurden dort 1941 deportiert und 1944 in Stutthof ermordet. Alfred Cahn wurde 1938 erstmals ins KZ Dachau deportiert, im gleichen Jahr aber wieder entlassen. Mit der Aktion Bürkel wurden Alfred und Gertrud Cahn 1940 nach Gurs deportiert und 1942 in Auschwitz ermordet. Auch hier erinnern von nun an vier Stolpersteine an den letzten frei gewählten Wohnsitz der Familie Cahn.

 

Der Haupteingang vor dem Landratsamt in der Wilhelm-Heinrich-Straße war die dritte Station der Stolperstein-Verlegung. Hier lebte in einer Wohnung des Stadtpalais seit 1859 die jüdische Familie Felix und Claire Coblenz, deren Sohn Oskar als eines von vier Kindern hier aufwuchs. Oskar Coblenz leitete in Berlin bis 1934 die Niederlassung des französischen Calmann-Levy-Verlages; danach verliert sich seine Spur. Allein in "The Central Database of Shoah Victims´ Names" findet sich der Hinweis, dass Oskar Coblenz und seine Ehefrau Elise im KZ Sobibor ermordet wurden.

 


Initiator der Aktion Stolpersteine ist der 1947 in Berlin geborene und heute bei Köln lebende Künstler Gunter Demnig. Seit Beginn der Aktion 1997 hat er in ca. 1.000 Orten in Deutschland und anderen europäischen Ländern mehr als 43.500 Stolpersteine verlegt und mit diesem Gesamtwerk das größte dezentrale Mahnmal in Europa geschaffen. Eine ausführliche Beschreibung dieses Lebenswerkes von Gunter Demnig finden Sie auf www.stolpersteine.eu 

 

Großes Interesse herrschte auch im Anschluss an die Verlegungsaktion in den Räumen des Stengel-Pavillons, bei der die Bedeutung der Aktion Stolpersteine ausführlich gewürdigt wurde. Links im Bild wird die Veranstaltung von einem Schüler des Ottweiler Gymnasiums für die Gesamtdokumentation der Aktion festgehalten.


(Alle Bilder: Hans Werner Büchel, Ottweiler 2014)




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